Walter Arnold

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Rhönklub-Gedenkfeier

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Rede Dr. Walter Arnolds anlässlich der Gedenkfeier des Rhönklub e.V. am 3. Oktober 2010:

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Frau Rinke,liebe Kollegen Lintner und Heym,liebe Mitglieder des Rhönklubs,liebe Rhön- und Heimatfreunde,

 

am 20. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages zur Wiedervereinigung, am 20. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages zur Wiedervereinigung, am 20. Tag der Deutschen Einheit, freue ich mich für die hessische Seite zu Ihnen sprechen zu dürfen.

Ich danke der Präsidentin Regina Rinke und dem Rhönklub sehr herzlich, dass heute dieses zu Herzen gehende Zitat von Konrad Adenauer, erster Bundeskanzler von 1949 – 1963, wieder an einer neuen Gedenktafel, hier am Drei-Länder – Eck, errichtet wird.

Das ganze deutsche Volk hinter dem Eisernen Vorhang ruft uns, seiner nicht zu vergessen!

Wir werden nicht ruhen, wir werden nicht rasten, bis Deutschland wieder vereinigt ist in Frieden und Freiheit!

Dieser Auftrag und Gedanke ist in der Präambel des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 verankert:

„Das gesamte deutsche Volk bleibt aufgefordert in freier Selbstbestimmung die Einheit und die Freiheit Deutschlands zu vollenden.“

Wer von uns hatte geglaubt, dass sich diese noch im gleichen Jahrhundert der bitteren Trennung der beiden deutschen Staaten realisieren würde?

Die Überwindung der Berliner Mauer und die Beendigung der deutschen Teilung ist für uns die Realisierung eines Traumes, der uns Deutsche über 40 Jahre begleitete.

Die Deutsche Einheit ist insbesondere die Beendigung des Kalten Krieges und die Schaffung von Frieden, Demokratie und Freiheit in einem geeinten Deutschland. Die Ereignisse der Jahre 1989 und 1990 stehen für einen Sieg der Freiheit über die Diktatur. Dies ist vor allem ein Verdienst der mutigen Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen DDR. Sie zeigten – nur in den Montagsdemonstrationen – Zivilcourage und Mut und traten für die Gewährung von Menschen- und Bürgerrechten ein. Es sind vor allem diese Menschen, die mit ihrer Haltung, ihrem Mut, Rückgrat zu zeigen, als es noch gebrochen werden konnte, die dem Unrechtsregime die Stirn boten, als Kopf und Kragen noch riskiert wurden, die die mit dem Ruf „Wir sind das Volk“ und schließlich „Wir sind ein Volk“ Mauer und Stacheldraht durchbrachen.

Welch ein Mut – welch ein Vertrauen auf diese Entwicklung, um mit der Macht der Kerzen schließlich über die Macht der Gewehre zu siegen!

Mir läuft heute noch eine Gänsehaut über den Rücken, wenn ich an den Aufschrei der 4.000 DDR – Bürger in der Prager Botschaft der Bundesrepublik Deutschland denke, als am 30. September 1989 Han-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Botschaft sagte: „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise möglich ist“ und als Günter Schabowski als Sekretär des ZK der SED am 9. November 1989 um 18:59 Uhr vor das Volk trat und die Öffnung der Grenze erklärte und sich zig Tausende sich in Berlin, in die Arme fielen. Ich selbst konnte die Grenzöffnung und die damit verbundene unbändige Freude in Phillippsthal miterleben.

Diese Freude müssen wir uns und unseren Kindern erhalten, dieser Wille nach Freiheit und Frieden, Demokratie und Bürgerrechten.

Unser Dank, unsere tiefe Anerkennung und unser großer Respekt gilt den Menschen, die damals unter Gefahr für Leib und Leben auf die Straße gegangen sind, um für ihre Überzeugungen einzutreten.

Sie gilt auch den vielen politischen Persönlichkeiten, die durch politisches Geschick und große Weitsicht dieses historische Ereignis ermöglicht haben:

Dabei möchte ich betonen, dass die Deutsche Einheit nicht nur einer Partei gehört. Wer hier politisch vereinnahmen will, zerstört den Wert des Stattgefundenen!

Zu nennen ist sicherlich Dr. Helmut Kohl als „Vater der Deutschen Einheit“ gemeinsam mit Außenminister Hans-Dietrich Genscher.

Es war der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt, der durch sein beharrliches Festhalten am NATO – Doppelbeschluss die Erosion des Warschauer Paktes einleitetet bis hin zu Willy Brandt und seinem KSZE – Prozess und der Menschenrechtsakte von Helsinki.

Ich nenne aber auch zahlreiche Bürgerrechtlier der ehemaligen DDR, wie Robert Havemann, Joachim Gauck, Wolf Biermann und vor allem Bärbel Bohlens, die leider am 11. September diesen Jahres an Lungenkrebs verstarb.

Von ihr ist die Geschichte überliefert, dass in einer Vernehmungssituation ein Stasi-Offizier ihr mit Haft drohte und sie dann sagte: Aber ich komme wieder raus – Sie nicht! Welch ein Mut, in dieser Situation eine solche Äußerung zu machen! Wir sollten uns alle fragen, ob wir jemals in der Lage gewesen wären, so viel Mut aufzubringen!

Das Land Hessen hat von Anfang an die Wiedervereinigung unterstützt. Mit dem Aktionsprogramm Hessen – Thüringen – im Dezember 1989 beschlossen – wurde intensive Aufbauhilfe geleistet. Wir Deutsche sind gut beraten, wenn wir das Geschenk der Deutschen Einheit hüten, gemeinsam es mit Leben und konkreten Inhalten für alle Menschen füllen.

Dazu gehören die Gedenkstätten „Point-Alpha“ und Schifflersgrund, aber auch Hohn – Schönhausen und die wichtige Arbeit von Hubertus Knabe.

Eines sage ich ebenso deutlich:

Jede Verklärung der DDR – Verhältnisse heute ist fehl am Platz. Das DDR – Regime war ein Unrechtsregime. Die 136 Todesopfer an der Berliner Mauer und über 1.000 Todesopfer an der innerdeutschen Grenze sind uns eine ständige Mahnung unsere Demokratie zu verteidigen und die Freiheit zu sichern.

Zum Schluss erzähle ich Ihnen noch kurz eine Geschichte, die mich sehr bewegt hat.

Letzte Woche waren im Hessischen Landtag aus dem gleichen Anlass wie heute zwei Schulklassen, Werner-von-Siemens Realschule aus Wiesbaden und die Prof. Franz – Huth – Schule aus Pößneck in Thüringen:

Ich fragte eine Schülerin aus Thüringen was nach dieser einen Woche ihr am besten gefallen habe. Sie sagte: Mir gefällt am besten, das wir uns nach dieser Woche wie eine Klasse fühlen.

So soll es auch für Thüringen und Hessen und für ganz Deutschland sein:

Es lebe die Deutsche Einheit! Es lebe Deutschland, unser Vaterland!